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Das Referendariat – eine Zwischenbilanz

Sonntag, Februar 6th, 2011

Der erste Ausbildungsabschnitt, sprich: das erste Halbjahr, des Referendariats neigt sich dem Ende zu. Und nachdem eben dieses mich in den letzten Monaten davon abgehalten hat, einen vernünftigen Blogeintrag zu machen, widme ich diesen Eintrag dem Referendariat :-) Dalberg-Gymnasium

Ich will versuchen, es knapp zu halten: Mein Seminar hat es gut getroffen. Am Dalberg-Gymnasium sind wir an eine kollegiale Schule gekommen, die sich sehr um ihre jungen Seminaristen kümmert und bemüht. Und auch außerhalb des Unterrichtsalltags finden die Kollegen ein Wort für Privates, z.B. im Kollegensport oder bei gemeinsamen Fahrten. Unsere Schule ist ein Gymnasium mit sprachlichem und musischem Zweig. Und gerade letzterer bereichert das Referendariat enorm: Drei Großveranstaltungen (Weihnachtskonzert, Leistungskurskonzert und Musical-Aufführung) füllten den Kalender im ersten Halbjahr – und zeigten, was Schüler alles leisten können und auch wollen – und das neben Unterricht und Schule.

Was den Unterricht an sich betrifft, so kann ich auch nicht klagen. Die 12. Klasse in Geschichte gab mir die Möglichkeit, Schwerpunkte meines Studiums, nämliche historische Geistesgeschichte, weiterzuvermitteln und in bestimmten Bereichen auch zu vertiefen. In Deutsch habe ich mich in einer 8. Klasse versucht – und musste dort feststellen, dass Literaturgeschichte an der Universität zwar sehr umfassend gelehrt wird, diese Inhalte in der Unter- und Mittelstufe nicht unbedingt immer anwendbar sind. Etwas mehr Methodik und Didaktik, die sich auf den Lehrplan bezieht, wäre sicherlich hilfreich gewesen. Aber dadurch, dass man nur wenige Stunden wöchentlich zusammenhängenden Unterricht leisten muss, kann man nebenher noch das ein oder andere Neue erarbeiten.

FDGInsofern schaue ich schon mit einem weinenden Auge auf das erste Halbjahr. Ob es im Einsatzjahr genauso wird? In jedem Fall wird es arbeitsreicher, denn statt sechs sind nunmehr 16 Stunden wöchentlich zu unterrichten. Zugewiesen wurde ich dem Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg. Schön für mich, denn so kann ich mir einen Umzug sparen und muss zur Schule nur auf die andere Main-Seite wechseln. Dort erhalte ich nun auch die Möglichkeit, mich in Sozialkunde auszuprobieren. Mein Drittfach nämlich habe ich nicht in die Seminarausbildung „mitgenommen“. Auch bin ich auf das Arbeiten in „Bayerns größtem Gymnasium“ mit über 1.800 Schülern in 55 Klassen gespannt. Am 21. Februar geht es los – frei nach Theo Lingen: frisch, fromm, fröhlich, frei – an’s Werk!

Lebenszeichen

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Ja, es gibt mich noch. Über zwei Monate ist nun Stillstand hier auf dem Blog gewesen – und doch gibt es einiges zu berichten.

Offizielles HochzeitsfotoHochzeit
All diejenigen Damen, die gehofft haben, mich doch noch einmal irgendwann vom Markt zu fischen, muss ich leider enttäuschen. Seit 20. März bin ich standesamtlich, seit 15. Mai kirchlich verheiratet. Tine und ich hatten mit all unseren Freunden und Verwandten schöne Feiern, angefangen bei jeweils 2 (!) Junggesellenabschieden, über einen riesigen Polterabend hin zur feierlichen Trauung in der Kirche und sich anschließendem Fest. Wir sind allen, die uns in dieser Zeit unterstützt und geholfen haben, sehr dankbar und sind froh, dass wir diesen besonderen Moment in unserem Leben gemeinsam teilen konnten.

Umbau & UmzugUmzug
Außerdem sind wir nun wieder in der Heimat angekommen. Bamberg haben wir mit Ende unseres Studiums (leider) den Rücken gekehrt und sind zurück nach Aschaffenburg, genauer gesagt Mainaschaff, gezogen. Seit August 2009 hatten wir es ja dort mit einer riesigen Baustelle zu tun und ich bin ziemlich sicher, dass wir auch das ohne die tatkräftige Unterstützung unserer Familien und Freunde nicht hätten meistern können. Jedenfalls geht es uns „auf dem Land“ sehr gut!

Ende des Studiums, Beginn des Lebens
Mit dem Studium war es das also. In den ganzen Umbau- und Umzugsstress ist neben die Hochzeitsvorbereitungen auch noch die Prüfungszeit für mein Drittfach Sozialkunde gefallen. Etwas abgehetzt, aber dennoch mit gutem Erfolg konnte ich nun auch dieses Kapitel beenden. Jetzt heißt es warten, wohin es mich ins Referendariat verschlägt – als Wunschorte habe ich Aschaffenburg und Würzburg angegeben, denn nur so könnte ich ehrenamtlich das weitermachen, was ich in den letzten Monaten neu begonnen habe. Ich hoffe sehr, dass mein Gesuch bei den Mitarbeitern im Kultusministerium gehört wird.

Aber Herr Doktor…
Mein Dissertationsprojekt zu „Deutschunterricht und Web 2.0“ habe ich vorerst einmal auf Eis gelegt. Trotz vieler Versuche und Anläufe ist es mir nicht geglückt, eine entsprechende Finanzierung für dieses Vorhaben auf die Beine zu stellen. Bei den Stiftungen, die Promotionsstipendien ausgeschrieben haben, bin ich meist schon in der Vorauswahl durchgefallen. Einzig die Hans-Böckler-Stiftung hatte mich zu Gesprächen mit der Stipendiatengruppe und dem Vertrauensdozenten eingeladen. Mit diesen Gutachtern hatte ich tolle Gespräche, aber leider hat mich die Auswahlkommission dann auch in letzter Instanz abgelehnt. Plan B war es dann, sich um Mitarbeiter-Stellen an verschiedenen Universitäten zu bewerben. Hier musste ich die Erfahrung machen, dass der Hochschulbetrieb sehr zäh und langatmig vorangeht. Oft habe ich wochenlang auf eine Reaktion der Unis gewartet, meistens Absagen – und es drängt sich mir zunehmend der Verdacht auf, dass die Stellen quasi schon besetzt sind und nur aus rechtlichen Gründen noch einmal öffentlich ausgeschrieben werden. Da hilft es dann auch nichts, als Bewerber wirklich gut und interessant zu sein. Leider. Positiv hingegen war eine Einladung zum Vorstellungsgespräch nach Landau (Pfalz). Dort ging es um ein Stipendium innerhalb eines DFG-Graduiertenkollegs „Unterrichtsprozesse“. Die Zielsetzung, Struktur und Ausstattung der Stelle war wirklich ausgezeichnet: Viele Tagungen, interdisziplinäres Arbeiten, ausgewogenes und intensives Betreuungsangebot, etc. Ich hätte die Stelle haben können (mit Abstand vor allen anderen Bewerbern, was mich sehr geehrt hat), musste aber leider absagen, da ich nach der Hochzeit und dem Umzug nicht wieder meinen Lebensmittelpunkt verlagern wollte.
Ich werde immer, wenn ich diese Entscheidung erzähle, gefragt, ob ich das „Nein“ nicht bereue. Nein, das tue ich nicht. Die Entscheidung für die Familie und den „sichereren Weg“ ins Referendariat (zumindest vorerst) war für mich eine Herzensentscheidung. Und dem Herz die Entscheidung zu überlassen, den Kopf dabei etwas zurückzudrängen, empfinde ich jetzt noch als völlig richtig. Und auf immer ist die Option einer Doktorarbeit nicht vom Tisch. Vielmehr blicke ich positiv nach vorne: Wenn das Referendariat vorbei ist, habe ich das 2. Staatsexamen zusätzlich, Unterrichtserfahrung obendrein. Eine wissenschaftliche Weiterqualifizierung in der Didaktik wird damit nur „echter“ und „praxisnäher“. Und das ist doch positiv!

Und nun?
Nun bin ich vorübergehend „Hausmann“, während Tine bereits ihrem Volontariat beim Archäologischen Spessartprojekt nachgeht. Aber natürlich kümmere ich mich nicht nur um Haus und Hof, sondern arbeite freiberuflich als Referent und Dozent zu „meinen“ Themen und gehe intensiver dem Ehrenamt nach: Abituria und Bezirksjugendring danken es…